Leitbild
Leitbild der Initiative “Welt ohne Waffen”
beschlossen am 03. März 2026
1) Eine Welt ohne Waffen (WoW)
„Militär gehört nicht ins 21. Jahrhundert, es gehört abgeschafft“
Olaf Weber
„Nur wenn wir uns eine Welt ohne Waffen vorstellen können, finden wir den Weg dorthin.“
Elise Boulding
2) Die aktuelle Situation
Durch verschwenderische Lebensstile, Kriege und in Kauf genommene ökologische Katastrophen zerstören Menschen weltweit die eigenen Lebensgrundlagen. Die Hoffnung durch internationale Diplomatie die gewaltigen Probleme konstruktiv anzugehen, ist durch ein rücksichtsloses egoistisches Vorgehen einflussreicher wirtschaftlicher und militärischer Eliten bedroht. Menschenrechte, Völkerrecht, Umweltschutz, Verträge und fairer Handel auf Augenhöhe werden durch das „Recht des Stärkeren“ gewaltsam ersetzt.
Wir brauchen dringend eine Wende der internationalen Konfliktkultur und Friedenssicherung. Besonders die Supermächte, vor allem Konzerne und Staaten des Westens und Nordens, intervenieren verstärkt in aller Welt, um ihre Gewinne zu sichern. Dabei zeigt sich, dass das Militär völlig ungeeignet ist zur Friedenssicherung und vielmehr Teil des Problems und nicht der Lösung ist: Es zerstört in kurzer Zeit mit langfristigen Folgen das, was es zu schützen vorgibt: Ein friedliches Zusammenleben.
Der Weg zum Weltfrieden ist lang. Trotz vielfältiger Bemühungen, durch Kooperationen und Verträge für friedliche Verhältnisse zu sorgen, bedrohen weiterhin gewaltvolle Konflikte und Kriege das mühsam Erreichte.
Wir brauchen daher eine Zielvorstellung von „Frieden“, die uns eröffnet, wie wir alltäglich mit unseren vielfältigen Talenten in Politik, Kunst und Kultur friedliche Verhältnisse gestalten können.
3) Unsere Vision: Frieden in einer abgerüsteten Welt und Wege dorthin
Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Er ist ein Zustand, in dem Konflikte zwischen Gruppen, Völkern und Staaten auf Verhandlungswege und zu beiderseitigem Vorteil gewaltfrei gelöst werden. Daher bedient sich die Initiative bei allen Aktionen zur Umsetzung ihrer Ziele ausschließlich der umfangreichen Mittel von Gewaltfreiheit. Frieden bedeutet eben nicht harmonische Übereinstimmung in allen Lebenskonzepten, sondern die Verwirklichung der Menschenrechte für alle – besonders in Konflikten.
Wie kommen wir zu einer inspirierenden Vision von Frieden? In dem Friedensappell von 2017 „Abrüstung jetzt“ beschreibt Olaf Weber für die Initiative „Welt ohne Waffen“ nicht nur die Hürden auf dem Weg zum Weltfrieden, sondern auch das Ziel: Ressourcen, die aktuell für Rüstung, Zerstörung und Kriege verschwendet werden, sollen für die Gestaltung guter Lebensgrundlagen für alle genutzt werden. Dieser Text gibt uns weiterhin Orientierung. Nach entsprechenden globalen Regelungen steht für 2049 das „Friedensfest für den Planeten“ auf dem Programm und für den 1. Januar 2050 die „Proklamation der militärfreien Welt“.
Nur die Vision einer Welt ohne Waffen führt uns zu einer Zukunft ohne Kriege. Wir halten eine totale Abrüstung bis 2050 für machbar, mental, organisatorisch und technisch. Die Familie der UN-Organisationen sowie internationale Verträge und Gerichte bieten den Rahmen zur Umsetzung. Die Grundlage dafür liefert die am 10. Dezember 1948 von den Vereinten Nationen verabschiedete universale Erklärung der Menschenrechte. Die Erklärung benennt, wie die Würde und die Rechte jedes Menschen in allen Lebensbereichen zu respektieren sind. Dieses Ziel für alle verwirklicht hieße Weltfrieden.
Insofern können wir unser künstlerisches und politisches Engagement für Abrüstung und Frieden auch als alltägliches Eintreten für die Realisierung der Menschenrechte beschreiben. Da in unserer vernetzten Welt der Frieden nicht auf dem Unfrieden anderer beruhen darf, müssen wir global denken und in unserem Alltag entsprechend handeln.
Daher keine Utopie ohne Frieden!
4) Politische Forderungen
„Die Friedensstadt, die wir definieren, ist eine Stadt, in der Bürger aller Wertvorstellungen und Lebensstile ein gesundes und aktives Leben führen können, während sie die Vielfalt respektieren und sich gegenseitig auf der Grundlage gegenseitigen Vertrauens helfen.“ So steht es im Baurecht für die Hiroshima Peace Memorial City vom 6. August 1949.
Es genügt nicht individuell zu handeln. Wir brauchen auf dem Weg zum Weltfrieden mentale, ökonomische und strukturelle Veränderungen in unserer Stadt und weltweit. Daraus ergeben sich politische Forderungen an Adressaten auf allen gesellschaftlichen Ebenen, die wir durch Aktionen und Appelle unterstützen. Der Weg zur totalen Abrüstung bedeutet den radikalen Wechsel vom militärischen zum zivilen Denken und Handeln. Nur die Perspektive auf eine pazifistische Zukunft verdeutlicht, wie wichtig bereits im Kleinen ein gewaltfreier Umgang mit Konflikten ist und selbst kleine Abrüstungsschritte sinnvoll sind. Die kontrollierte, weltweite und
vollständige Abrüstung muss in Etappen laufen, sollte aber einen Endtermin haben, an dem alle militärischen Vorhaltungen (Einrichtungen) abgeschafft sind.
Daher fordern wir: Mit der Abrüstung muss jetzt begonnen und das System auf Entmilitarisierung umgestellt werden. Wir brauchen nicht mehr Militär, Rüstung und „Kriegstüchtigkeit“, sondern Investitionen in Umweltschutz, Bildung, Gesundheit und Kultur. Wir fordern die Beendigung aller Kriege und kriegerischen Handlungen durch Diplomatie und friedliche Kooperation. Wir fordern eine neue Sicherheitsarchitektur, die auf Entspannung basiert. Wir fordern den sofortigen Stopp von Rüstungsproduktion und Rüstungsexporten.
5) Phantasievoll vor Ort handeln
Weimar lebt von seiner Kultur wie keine sonstige Kleinstadt dieser Größe. Dabei schützen akademische Bildung, Kunst, Literatur, Musik, Tanz, Theater, Museen und Gedenkstätten nicht automatisch vor Machtmissbrauch, der in Weimar schon bis zum staatlich organisierten Massenmord führte. Kultur und Gewaltexzesse können zusammengehen. „Wie die Großen mit den Menschen spielen“ (Goethe) und wie dem entgegengewirkt werden kann und muss, lässt sich bis heute im Alltag der Stadt verfolgen.
Der Weimarer Stadtrat erklärte am 20. Juni 2007, 70 Jahre nach Einrichtung des KZ Buchenwald: „Wir wissen, dass die Geschichte unserer Stadt mit der Entwicklung eines humanistischen Menschenbildes, der Etablierung von Demokratie, aber auch der Zerstörung aller Menschlichkeit verbunden ist.“
Weimar hat sich wie tausende Städte weltweit im Appell der „Mayors for Peace“ verpflichtet eine Kultur des Friedens zu realisieren. Mit seiner wechselhaften Geschichte und hier lebenden Menschen aus aller Welt ist Weimar prädestiniert vorzuleben, wie das geht. Dazu tragen wir, wie auch viele andere in dieser Stadt, mit unseren künstlerischen Mitteln und politischen Einsichten bei.
6) Kooperationen
Die Initiative ist eine parteiunabhängige, aber politiknahe Denk- und Aktionsgruppe für Frieden und Abrüstung. In lokaler bis weltweiter Vernetzung betreibt die Initiative nach dem Motto „global denken, lokal und alltäglich handeln“ konkrete Friedensarbeit in Weimar. Die Mitglieder der Initiative gehen davon aus, dass Frieden auch ein innerer Zustand des Menschen ist, der durch das Bestreben nach Ausgleich und Würde zu friedlichem Verhalten befähigt. Daher bedient sich die Initiative bei allen Aktionen in Wort und Tat zur Umsetzung der Aufgaben und Ziele usschließlich der umfangreichen Mittel von Gewaltfreiheit wie z.B. Fantasie und Ausdauer.
„Der Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit. Ich bin daher entschlossen, keine Art von Krieg zu unterstützen und an der Beseitigung aller Kriegsursachen mitzuarbeiten.“
Diese Selbstverpflichtung der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG VK) gilt auch für die Weimarer Initiative „Welt ohne Waffen“. Im Frieden begegnen sich Menschen gleichberechtigt auf Augenhöhe, mit Verständnis und Empathie. Konsens im respektvollen Umgang miteinander schließt ein, konträre Ansichten transparent zu machen und es auch gegebenenfalls zu akzeptieren, wenn unterschiedliche Positionen keine Kooperation erlauben.
7) Kontakt
Interessiert, dieses Leitbild mit Leben zu füllen und zu entfalten? An Konzepten und Aktionen, Veranstaltungen und Diskussionen mitzuwirken?
Bitte sprecht uns an, die „Zweigstelle für Frieden“ in der Friedensstrasse 2, dem kulturSCHAUFENSTER der blueprintedition ist dienstags 10 – 15 Uhr geöffnet; die Mahnwache steht dienstags von 16 bis 17 Uhr auf dem Goetheplatz vor dem Nike-Tempel.
kontakt@welt-ohne-waffen-weimar.de
